Sommerfahrt 2003

Von Petern bis Füssen

Samstag, 26. 7. 03

Auf dem verwirrend großem Bahnhof in Westerham starten wir um 7:39, bald ist Petern in der Jachenau erreicht, der Ort, an dem wir letztes Jahr im Regen, dicht in ein Bushäuschen gedrängt, unsere Fahrt beendet haben. In ungleich besserem Wetter, dass uns bald das Fahrtenhemd am Rücken klebt, geht es bergauf, auf den Staffel. Wie gut es tut, mal wieder einen Berg unter den Füßen zu spüren- die Farbe der Isar unten in Tal ist einfach genial.

Im Schatten einiger Fichten machen wir Mittag, von Horden Mohrenschmetterlinge, die seltsamerweise statt der vorgeschriebenen 6 Beine deren nur 4 ihr Eigen nennen. Oben am Gipfel bietet sich ein genialer Blick- Benewand, Jochberg usw., auch die Zugspitze, Ziel der nächsten Tage, liegt im Dunst. Wir beschließen, dass es zum Weitergehen noch zu heiß ist, und so wird ein toter Baum als Ziel für ein paar ausgediente Zaunpfähle, umfunktioniert zu Schwert und Speer, auserkoren. Zwar mildert sich die Hitze kaum, aber wir müssen weiter.

Ein Stück über Jachenau finden wir einen Lagerplatz- mit Wbh und sämtlichen Früchten, von Erdbeeren bis Tollkirsche. Aber zuerst wird einmal gebadet, auch wenn der Jachen nur wenig Wasser führt. Wie er wohl vor ca. 1 Jahr aussah? Stolz wie Oskar führt Wolf uns seine neueste Errungenschaft vor- eine Badehose, die nicht nass wird! Was für eine Marktlücke! Gut, dass wir alle so hochrote Köpfe haben, sonst würde man sehen, wie wir alle vor Neid erblassen.

Frisch gewaschen machen wir uns wieder auf den Weg nach oben. Franz prophezeit ein Unwetter, und so bauen wir die Kohte doch noch auf. Aber es tut sich nichts, und bis zum bitteren Ende bleiben wir draußen sitzen. Ungewöhnliches Abendessen: Nudeln mit Pesto! Ein bisschen mehr wäre nicht schlecht, aber schmeckt doch gut!

Dienstag, 29. 7. 03

Ein wenig blauer Himmel zeigt sich heute morgen über uns, der sich aber leider nicht besonders gut durchzusetzen vermag. Never mind, immerhin regnet es nicht. Allmählich geht es wieder aufwärts. Ein flacher Kessel vor uns wird von hohen Berggipfeln gesäumt, unter welchen unser Weg entlang führt. Immer wieder können wir unsere Blicke ins Land nordwärts schweifen lassen. Im Halbkreis umwandern wir den Kessel, von blökenden Schafen und muhenden Kühen bevölkert. Nach einiger Zeit unter bedrohlich aussehenden, aber harmlos bleibenden Wolken erreichen wir den Sattel unter dem Krottenkopf.

Trotz weniger Zeilen ist es schon wieder Zeit fürs Mittagessen. Doch es ist ganz schön windig hier oben und wir ziehen uns wieder in den Windschatten des Sattels zurück. Dennoch bleibt es kalt. Nach einem gemütlichem Mittagessen begeben wir uns wieder auf den Abstieg, was Maxis Knien schwer zuschaffen macht. Hoffentlich hält er durch. Doch wenn er mit Franz über irgendwelche Fahrräder, Bremsen oder sonstige Kleinigkeiten, von denen normal Sterbliche keinen blassen Schimmer haben, fachsimpelt, scheint es ihm doch ganz gut zu gehen.

Ein Wegweiser will uns weismachen, unser geplanter Weg ein Bachbett hinunter sei versperrt, was uns jedoch nicht im geringsten beeindruckt. Zuerst ist das Bachbett völlig ausgetrocknet, erst nach und nach nimmt die Wassermenge zu. Es gefällt uns hier sehr gut, deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass Franz trotz der noch recht frühen Stunde gleich hier die Kohte ausstellen will, was vom Rest freudig begrüßt wird. Während der Suche nach Feuerholz bzw. Kohtenstangen beginnt es mal wieder zu regnen, und dazu noch mal gar nicht so harmlos. Die Wölfis haben aber mitgedacht und die Rucksäcke abgedeckt. Der Schauer ist schon bald vorüber und der weitere Kohtenaufbau verläuft reibungslos. Auch wenn die Heringe nur widerwillig im Boden verschwinden und wir sie mit Steinen beschweren müssen.

Es gibt heute wieder ein gutes Abendessen, Nudeln mit viel Tomatensoße, Käse... Zum allabendlichen Tee reißt die Wolkendecke auf und enthüllt Sterne und Milchstrasse. Es verspricht sowohl eine eiskalte Nacht, wie auch ein heißer Morgen zu werden. Zu später Stunde lesen wir aus Tusks Fahrtenbericht 29, der uns manchmal ziemlich nachdenklich stimmt. Nach und nach fallen immer mehr Augen zu. In dieser Nacht rollt sich Maxi mal wieder mit seinem Schlafsack in die Feuerstelle, worunter dieser schwer zu leiden hat.

Donnerstag, 31. 7. 03

Um einiges früher als zuvor sind wir heute aufbruchbereit- schließlich haben wir auch eine anstrengende Tour bis auf 2000m hinauf vor uns - krasser Gegensatz zu den letzten Tagen. Trübe Wolken hängen am Himmel, machen es recht kühl. Das ist vorerst aber nur angenehm. Flacher als erwartet führt die Forststrasse in das Tal hinein und immer besser treten die Berge ins Blickfeld, die es heute und morgen noch zu erklimmen gilt. Nur zu Schade, dass die Gipfel so verhangen sind und sie Sicht von oben wird auch stark eingeschränkt sein. Aber abwarten.

Stets begleitet uns der rauschende Fluss mit seiner blauen Farbe, verbreitet sich einmal zur glasklaren "Blauen Gumpe" (Schade, dass es so kühl ist, wir alle würden uns gerne hineinstürzen!) oder donnert als Wasserfall in die Tiefe. Wir kommen sehr gut voran und keiner hängt außerordentlich weit hinterher. Trotzdem haben wir mal eine Gummibären-Pause verdient ("Die sind gut für die Knie!"). Einmal kommt uns ein Schäfer auf Motorrad entgegen- vor ihm auf dem Tank hockt sein Hund. Sehr mutig. Kurz hinter dem Wasserfall machen wir Mittag und verschlingen wieder Unmengen.

Kurz nach dem Aufbruch wird es dann allmählich richtig steil. Schade, dass von den umgebenden Bergen nur so wenig zu sehen ist. Ab und zu reißt die Wolkendecke mal auf, aber schon bald zieht es wieder zu und es fallen ein paar harmlose Tropfen. Immer steiler wird es, und der Weg wird immer schotteriger, so dass der eine oder andere mal abrutscht. Trotzdem sind wir ganz gut im Tempo, überholen 3 ältere Herren, die die Kleinen mit den riesen Rucksäcken bestimmt beneiden. Kurz vor dem- vorläufigem- Ziel, der Knorr-Hütte, beschließt die Sonne, doch noch kurz ihr Antlitz zu zeigen und bestrahlt die Bergspitzen vor uns, leider ein Augenblick von nur kurzer Dauer.

Wenig später ist die Hütte erreicht- und jetzt heißt es überlegen; sollen wir für heute noch weiter und es riskieren, auf dem nicht gerade einfachem Weg in Regen und Wolken zu geraten und eine Nacht biwakierend auf nacktem Fels verbringen? Oder besser doch Vorsicht walten lassen und heute die Nacht in der Hütte verbringen? Besser aber kein Risiko eingehen, und so entscheiden wir uns für die Hütte. Nun gut. Wir kommen eigentlich ganz günstig weg, und unsere Horde belegt beinahe ein ganzes Lager. Den restlichen Nachmittag verbringen wir im warmen Hüttenraum und als es draußen tatsächlich zu stürmen und zu regnen beginnt, sind wir doch alle ganz froh, hier drinnen zu sitzen und einer kalten Nacht auf den Felsen (für dieses Mal) entkommen zu sein. Als es Zeit zum Abendessen wird, müssen wir Augen und Ohren vor dem verschließen, was anderen hier so vorgesetzt wird. Wir aber geben uns mit unserem Brot zufrieden und die Vorräte an Belag schmelzen zusehends dahin. Hat schon jemand erwähnt, dass das Telefon/Fax nebenan ziemlich nervt?

Freitag, 1. 8. 03

Früh des Morgens bimmelt irgendwo ein Handy, und Franz möchte sofort aufstehen. Aber es ist gerade mal halb 7, und so bleiben wir noch eine zeitlang liegen. Da draußen herrscht immer noch das Grau vor, als wir schließlich aufbrechen. Über kahle Felsen führt unser Weg, an 2 alten Grenzhäusern vorbei, wobei von dem 2ten nicht mehr viel zu sehen ist. Vor uns zieht ein kleine Gruppe, die wir schließlich am Gatterl, wo sich A und D gute Nacht sagen, einholen. Hier wird es richtig spannend: die erste Drahtseilsicherung auf dieser Fahrt. Mal sehen, was noch so alles auf uns zukommen wird.

Auf dem Hang uns gegenüber lungert eine Herde Gämsen herum, und wir können sogar einige Murmeltiere beobachten, für manche das erste Mal in freier Wildbahn. An einer ausgesprochen schwierigen Stelle gelingt es uns dann, die Gruppe vor uns zu überholen, und an den Hängen der Zugspitze entlang geht es hinunter ins Tal. Wuchtige Berge erheben sich zu allen Seiten, schon ganz anders als die Berge um den Walchensee. Als wir Mittag machen, holt uns dann auch wieder die andere Gruppe ein.

Unser Gelage dauert so lang, dass sie sich schon wieder vor uns aufmachen. Vorbei geht es dann an hässlichen Skiliften, einer Alm mit tollen Bikes (PORSCHE!) und einer Horde Gartenzwerge, bis wir in Ehrwald sind. Kai und Maxi machen sich ans Einkaufen, während Franz und ich uns noch um eine bessere Karte für die nächste Woche kümmern. Schreckliches Kaff, ständig kurvt ein seltsames Auto durch die Gassen, das uns vor einem dubiosen Fest heute Abend warnt. Kai und Maxi haben für einen stolzen Preis Essen eingekauft (ja, auch Thunfisch, der Herr!), aber dafür erfahren wir, dass das Wetter in der nächsten Woche heiß und schön werden soll. Jetzt aber raus hier!

Die Sonne begleitet uns auf dem Weg aus der "Zivilisation". Ein Autofahrer schüttet die Faust, als er an uns vorbeifährt- keine Ahnung, ob das eine Drohung oder Ermutigung sein sollte. Unser weiterer Weg führt uns glücklicher Weise schnell aus dem Touriort heraus, und dann über Wiesen und Felder. Irgendwann biegen wir vom Radweg ab und über die Loisach. Der Weg zu unsrem Kohtenplatz geht durch schöne Wälder und Wiesen. Nur wenige Meter vor unserem Lagerplatz entfernt fließt ein schöner kalter Bach mit Gumpen und Wasserfällen, die als Duschen bzw. als Wanne herhalten müssen. Auch heute gibt es wieder kulinarische Köstlichkeiten, in dem Fall Tortellini mit Joghurt-Frischkäse-Soße. Der Abend endet mit Tee, Liedern und einem Sonnenuntergang, der die Spitzen der berge in einem genialem Rot erstrahlen lässt.

Samstag, 2. 8. 03

Maxi´s blödes Handy klingelt heute viel zu früh, um 6 Uhr! Aber wir wollen dem Jäger nicht über den Weg laufen. Mit recht zügigem Tempo gehen wir wieder auf dem Fahrradweg bis nach Grießen und dann weiter auf einer Forststrasse, die wohl auch ein Fahrradweg ist, der Menge der Radfahrer nach zu urteilen. Sonne und strammes Tempo sorgen für einige Erschöpfte, aber Mittag gibt es erst am Plansee, zu dem es ein ganzes Stück ist- auch noch bergauf!

Aber erstmal am Ziel, verschwinden in unseren Mägen ganze 3¾ Brote, 1 Marmelade, 1 Käse, 1 Streichwurst, 1 Philadelphia und eine halbe Salami. Der restliche Tag verläuft sehr relaxed. Wir liegen a Ufer, schwimmen im kristallklarem See und lassen es uns so richtig gut gehen (tun wir das nicht schon seit einer Woche?). Erst gegen Abend treten wieder Aktionen auf: ein Dreibein muss errichtet werden. Die Feuerholzsuche ist alles andere als kompliziert, es liegt eine Menge Treibholz am Ufer, das man nur aufheben braucht. Schnell haben wir einen ganz ordentlichen Haufen beisammen aber die Nacht wird noch lang!

Zu essen gibt es Nudeln mit Käsesauce, verfeinert mit Frischkäse. Nicht schlecht! Lange, sehr lange sitzen wir am Feuer, bewundern die grandiose Landschaft bei Nacht, ignorieren den Campingplatz am anderen Ufer und trinken Tee. Verhältnismäßig spät gehen wir heute ins Bett (es ist Franz´ letzter Abend auf der Fahrt). Das Wetter verspricht uns, schön zu bleiben, und so bauen wir die Kohte heute nicht auf, sonder übernachten im Zelt der tausend Sterne. Wie gut es uns doch geht!

Montag, 4. 8. 03

Gegen 7:00 reißt uns Zwi aus dem Schlaf und wir frühstücken erst mal. Leider ohne Milchpulver! Gegen halb neun sind die Rucksäcke gepackt und wir marschieren die Skipiste hinauf. Trotz der frühen Stunde geraten wir schon nach kurzer Zeit ins Schwitzen und müssen bald eine Trinkpause einlegen. Bald erreichen wir den Gipfel, auf dem zwei hässliche Skilifte prangen. Nach kurzer Pause und Auffüllen der Flaschen machen wir uns an den Abstieg. Ein paar nervige Touristengruppen versuchen, uns mit "Gleich habt ihr es geschafft!" anzuspornen, schaffen es aber nicht wirklich.

In Berwang angekommen machen wir uns gleich ans Einkaufen: Müsli, Nudeln, Reis, diverse Soßen, "Pimpfenschmiere" und leider, leider KEIN Milchpulver. Nachdem wir den EINZIGEN Müllcontainer des Städtchens gefunden haben, machen wir uns durch der Sonne heißes Glühen auf in Richtung "Rotlecher Stausee". Dort ist auf einem Schild zu lesen, dass das Baden hier verboten ist. Toll. Nun, aber so kommen wir unerhofft zu einem weiteren Highlight der Fahrt.

An der Mündung des Seebaches in den Stausee lassen wir uns nieder und vernichten im Schatten erstmal eine Rolle Kekse. Anschließend ziehen wir uns die Badehosen an und waten durch den Bach, bis wir an eine Art Klamm mit kleinen Stromschnellen kommen. Wir klettern über hohe Felsen und durchqueren die Schnellen, bis wir zu einer ruhigen Stelle des Bachs kommen. Dort legen wir uns auf die sonnigen Steine, während Jonas, Wolf und Michi sich eine Schlammschlacht liefern, in die Leon unfreiwillig mit hineingezogen wird. Als wir uns wieder auf den Rückweg machen, wird es richtig lustig, da wir die Stromschnellen hinunter schwimmen.

Tim und Kai schauen rund um den See nach einem Lagerplatz, wo man eine Kohte aufstellen könnte. Allerdings bleiben sie erfolglos. Macht auch nichts- dann bleiben wir eben hier. Feuerholz ist schnell gefunden und bald auch eines der besten Essen auf dieser Fahrt fertig: Nudeln mit Tomatensauce und angebratener Salami + Zwiebeln! Und wieder schlafen wir ohne Kohte.

Mittwoch, 6. 8. 03

¼ vor 7 stehen wir heute auf, wieder eine Nacht ohne Kohte. Die Gegend im Namloser Tal, auf dem Jägersteil präsentiert sich wie am gestrigen Tag immer noch extrem steil abfallend. Kiefern eine tiefe Schlucht mit Bach, hohe Berge mit Wasserfällen... genial! Und die Sonne scheint. Bald kommen wir ins Schwarzbachtal, einer weiteren drahtseilgesicherten Stelle . Kurz verweilen wir hier und singen "Was ließen jene", was uns eigentlich sehr gut gelingt. Etwas später treffen auf einen Dänen (oder aus der Gegend), Der uns "Viel Glück" wünscht. Was er wohl damit sagen wollte?

Gegen 11 erreichen wir Stanzach und machen uns nahe der Kirche breit. Wir stürmen einen kleinen Laden, wo wir mühselig alles zusammenkratzen, was wir brauchen. Nur Haferflocken haben sie nicht genug. Dafür gibt es angesichts der Hitze zwei Wassermelonen, sprich für zwei Leute eine Hälfte. Tut echt gut! Dann geht´s nahe des Lechs entlang, Sonne und Schatten (und Radfahrer) wechseln sich ab. Wir kommen gut voran, woran eine Tüte Bonbons sicher auch beteiligt ist.

Als wir nach vielen Kilometern an einen Bach kommen, machen wir Mittag, wobei der Nutella-Ersatz sein Leben lässt. Maxi, der vor ein paar Tagen noch behauptete, es sei die ekelhafteste Schokolade, die er je gegessen habe, schleckt das Glas genüsslich aus. Dann geht´s ab in den Bach, der sich wieder durch eine kleine Schlucht zwängt. Hier gibt es einige tiefere Stellen als am Bach von neulich, und es macht viel Spaß, sich von der Strömung durch den Bach ziehen zu lassen.

Dann geht es weiter auf Schusters Rappen, während sich rechts und links die Berge auftürmen. Dann müssen wir ein Stück auf der Strasse entlang, was etwas nervig ist, aber bald sind wir wieder nahe der Berge. Zur Stärkung in der Hitze gibt´s dann erstmal wider eine Rolle Kekse. Und immer noch müssen wir weiter, obwohl die Kleinen schon recht fertig sind. Also lassen wir sie an einer Wegkreuzung zurück, während Lling und ich in eine, Kai und Maxi in die andere Richtung spähen.

Wo gibt es hier Wasser?! Alles ist so ausgetrocknet, mehrmals gaukeln uns raschelnde Buchenblätter Geplätscher vor. Aber unsere Suche bleibt erfolglos. Kai und Maxi hatten mehr Glück, haben sowohl Wasser als auch einen Lagerplatz gefunden. Nichts wie hin! Schnell wird alles organisiert, 2 Leute holen Wasser, der Rest macht Feuerholz. Der Lagerplatz ist richtig schön! Heute gibt es wieder Milchreis- super genial- obwohl die 1,9 kg Reis gerade so reichen. Ein bisschen Reis ist angebrannt, so dass das Schrubben etwas komplizierter ist, v.a. da wir kein fließend Wasser haben. Derweil zeigt Lling Michi, wie man aus einem Poncho ein Biwak baut, was auch gut klappt. Dann gehen Wolf und Jonas noch mal Wasser holen, obwohl kaum jemand Tee trinken will, als er fertig ist. Spät am Abend will Wolf uns noch weis machen, dass er Kinder kriegen kann. Zeit, dass wir ins Bett kommen!

Freitag, 8. 8. 03

Heute müssen wir die Tannheimer Berge überqueren- die letzte Bergetappe unserer (genialen) Fahrt. Das Wetter ist unverändert heiß. Beim Wassertanken treffen wir einen alten Bauern, der uns ein wenig vom Krieg erzählt und uns noch eine Lebensweisheit ( "Ein gefährlicher Satz!") mitgibt: "Eine Persönlichkeit ist der, der nicht alles tut, was alle tun." Deswegen sind wir ja hier!

Im Dorf kaufen wir für Jonas ein Gebräu, das seinen Stöpsel lösen soll- Wolf´s Worte sind hier nicht wiederzugeben. Der Weg in die Berge hoch ist trotz Schatten heiß und anstrengend. Gut, dass wir das Vilser Jöchl, den niedrigsten Punkt (1718m) des Gebirges, als Ziel gewählt haben. Mehrere Pausen machen wir, bis wir schließlich oben stehen. Hier weht ein herrlich kühler Wind! Wie gut das tut! Man sieht auch weit ins Tal- wie flach es doch da draußen ist. Ich finde es immer ziemlich deprimierend, aus den Bergen ins Flache zu kommen.

Schade, dass es hier oben keinen Schatten gibt, und so steigen wir ein paar Meter ab, wo eine größere Fichte steht. In deren Schatten kauern wir uns zusammen machen Mittag und schlafen, bis die Sonne uns den Schatten stielt und uns weitertreibt. Unser Ziel ist die Vilser Alm, wo wir auch wieder Wasser tanken. Der Weg zieht sich. Endlich angekommen, widerstehen wir der Versuchung durch (Butter)Milch und hier fällt auch die Entscheidung, nicht die 400m aufs Hundsarschjoch (diese Namen!) zu steigen, sondern im die Berge herum zu gehen.

Auf einem breitem Fahrweg sinken wir ins Tal hinab, endlich im Schatten- aber auch hier ist es ganz schön heiß. Unten liegt das Dorf Vils. Das müssen wir noch durchqueren, bis wir uns ernsthaft nach einem Lagerplatz umschauen können. An den gegenüberliegenden Berghängen liegt eine Ruine- kurz überlegen wir, dorthin zu gehen, aber von dort würde unser Feuerrauch nur allzu weit sichtbar sein. Vielleicht können wir ja morgen noch hin.

Auf dem Weg durch das Dorf begehen wir ein Verbrechen - klauen uns Äpfel von einem Baum. Aber sie tun uns gut, es ist schließlich schon spät. Vils ist bald durchquert. Endlich überqueren wir einen Bach mit ausreichend Wasser. Unser Lagerplatz ist also nicht mehr weit und tatsächlich lässt sich auf einer Wiese durchaus ein geeigneter Platz finden. Die Kleinen sind erschöpft, wir gönnen ihnen die verdiente Pause. Die "Großen" holen Feuerholz, bevorzugt Kiefer.

Ein Blick zum Himmel lässt uns die Stirn runzeln- dunkle Wolken ziehen auf. Kohte aufbauen oder nicht? Sehr schnell zieht die dunkle Front heran. Also schnell die Wölflinge aufgescheucht und zum ersten Mal seit fast einer Woche geht´s wieder an den Kohtenaufbau. Doch schon nach kurzer Zeit klart der Himmel wieder auf- macht nichts, wieso ärgern? Kai und Maxi haben für den Rest der Welt beschlossen, heute 2 kg Nudeln zu kochen, ohne daran zu denken, dass wir ein paar Kranke unter uns haben. So endet der Abend in einer Mordsvöllerei aber es schmeckt sehr gut. Nur ist´s halt ne ganze Menge.

Sonntag, 10. 8. 03

Was, schon Sonntag? Der letzte Tag scheint viel zu früh zu kommen. Alles ist heute wieder vorbei. Waren wir wirklich 2 Wochen unterwegs? Das Tagebuch behauptet es... Einen letzten "Berg" gilt es zu überschreiten, bald sind wir in Füssen und innerhalb von 4 Stunden schon wieder zu Hause. Schön war´s, es hat alles gut geklappt (und mehr als das!)- auch ohne Franz, was für ihn ein großes Lob darstellt. Der Wettergott meinte es besser mit uns als Pfingsten 2001- oder zumindest hat uns seine Hitze nicht so geschadet. Die Wölflinge und ein Pfadi (und der Rest) können stolz af sich sein- wir sind es jedenfalls!!