Klappschi

Seit dem Winter 2000/2001 bin ich daran mit recht gutem Erfolg am Basteln. Die Idee war den besten Kompromiss zwischen leicht, wenig anstengend und brauchbaren Schuhen zu finden. Wenn's um's Gewicht geht, ist bei Schi die Dynafit LowTec-Bindung einfach konkurenzlos. Dazu kommt noch, das (zumindest der alte TLT2 und TLT3) Dynafit TourLight-Schuh recht weich und bequem ist. Viele sagen. dass er zu Schifahren viel zu weich ist. Wenn man die oberen Schnallen nur einhängt kann man damit echt gut Snowboard fahren. Ich weiss, die Softbootfetischisten wenden sich jetzt mit Grausen ab. Allerdings hat mir auch ein Clickerbesitzer gesagt, meine Schuhe wären ihm zu weich. Ehrlich gesagt ist mir das aber wurscht, dann müssen sie halt mit ihren Schneeschuhen schwitzen. Also als Bindung eine gebrauchte LowTec (d.h. eigentlich nur das Vorderteil) gekrallt. Mit etwas grösserem Aufwand müsste man auch was softboottaugliches basteln können, aber das war mir bis jetzt zu viel Aufstand.

Wie macht man nun einen Schi klappbar? Dazu erst mal ein wenig Theorie:
Ein Schi ist eigentlich genau das, was man in der Physik einen "Biegebalken" nennt. Wenn den jetzt auseinandersägen und wieder zusammenfügen will, muss man unten Zugkräfte und oben Druckkräfte aufnehmen. Diese sind aufgrund der recht ungünstigen Hebelverhaeltnisse (Schihöhe zu Schilänge) 5 bis 10 mal euer Körpergewicht.
Dazu kommt noch erschwerend, dass der Schi eine gewisse Spannung braucht, weil sonst die Felle wegrutschen.

Ich hab anfangs eine ganze Menge probiert, was nicht funktioniert hat und was mir ehrlich gesagt zu mühsam ist hier alles zu beschreiben. Wenn Ihr sicher sein wollt, dass es hinhaut baut es so wie nachfolgend beschrieben. Das heisst nicht, dass es nicht anders geht, aber so hat es zumindest schon funktioniert. Wenn ihr testen wollt ob das, was ihr gebaut habt tut, dann legt den Schi hinten und vorn auf einen 20cm hohen Klotz und steigt in der Mitte drauf, so, dass es ihn bis zum Boden biegt. Wenn er das aushält seit ihr ziemlich sicher, dass euch das Ding nicht auf der ersten Tour kaputt geht. Beim ersten Mal werdet ihr normal noch nachstellen müssen, aber dann muss er in seine ursprüngliche Form Zurückkommen.
Ob die komerziell angebotenen teilbaren Schi diesen Test aushalten bezweifle ich. Allerdings ist das genau das, was passiert, wenn man in eine eingeschneite Latsche bricht. Da ist die Last nur noch hinten und vorn drauf und in der Mitte nur ein Loch.
Noch ganz wichtig ist, das nichts wackelt. Mit Spiel kriegt ihr alles kaputt. Dazu müsst ihr euch nur mal überlegen, wieviele Schritte ihr auf einer Tour macht. Wenn ihr nun etwas jedes mal hin und herbewegt und das mit eurem vollen Gewicht belastet muss das aufgeben.

Jetzt aber erst mal ein paar Bildchen:

Da wo nachher die Bindung hin muss, den Schi auseinandersägen. So 5-10cm vor der Mitte ist ein brauchbarer Anhaltspunkt. Oben setzt man entlang der Schnittkante zwei 25x25mm Aluprofile (z.B. PU25 von Isel) drauf. Unten kommt ein spezielles Scharnier mit zwei Achsen (Eigenbau aus 1mm V2A-Blech) rein. Beides wird von 6mm-Senkkopfschrauben gehalten, die oben in Nutensteine (Stück Stahl mit Gewinde, dass in die Nut der Aluprofile passt. In der Zeichnung grün) geschraubt werden.
Das Scharnier muss auf alle Fälle so gebaut sein, dass das Blech um die Achse herum und wieder zurück läuft. Die normale Variante aus dem Baumarkt, bei der das Ende um die Achse nur herumgebogen ist und dann aufhört hält dem Zug nicht annähernd stand (Test siehe oben). Die zwei Achsen braucht man um es zusammenklappen zu können ohne das unten etwas vorsteht.
Nun kommen noch zwei Schrauben (rot) dazu, die den Druck der Schidurchbiegung aufnehmen. Mit diesen kann man dann später auch die Spannung des Schis nachstellen, was sehr wichtig ist, da sonst die Felle rutschen. Damit sich die beiden Schrauben nicht selber lösen, habe ich in die vordere Nut des Profils relativ weiche Kunststoffteile eingelegt, durch die die Schrauben recht zäh hindurchpassen. Normle Schraubensicherung hat's immer wieder rausgewaschen.
Damit die beiden Druckschrauben mit der Zeit nicht Löcher in das hintere Aluprofil machen, habe ich dort noch zwei kurze Imbusschrauben mit flacherem Kopf (orange. Wenn ihr solche nicht bekommt einfach normale Imbus abfeilen) eingesetzt und die Druckschrauben vorn ein wenig dünner gefeilt, damit sie genau in den 6-Kant der eingesetzten Schrauben passen.
Damit das Ganze nicht nach unten klappt, wenn man den Fuss hochhebt, kommt in der Mitte der Aluprofile noch ein Schraube (blau) rein, die das Ganze zusammenspannt. Diese wird zum Zusammenklappen gelöst. Man könnte sie auch durch irgendeinen anderen Verschluss ersetzen, aber dazu war ich bis jetzt zu faul. Der Imbusschlüssel im Anorak war nie ein Problem.
Das Profilstück links, das mit der violetten Schraube gehalten wird dient nur zum Befestigen der Dynafitbindung. Alle Schrauben sind M6 Inbus, das heisst man braucht nur einen 5er Inbusschlüssel um die Schi zusammenzuklappen und, falls man noch alles zerlegen können will, einen 4er für die Senkkopfschrauben.

Wer mir jetzt erzählen will, dass das nicht halten kann, dem sei gesagt, das das ganze in etwas windigerer Bauart (kürzere Scharniere) schon gut 30000 Höhenmeter auf dem Buckel hat. Nach dem Umbau auf die oben gezeigten Scharniere sind's jetzt nochmal 50000 ohne Reparaturen.
Der ganze Spass wiegt mit Fellen und Bindung 3.5kg, was sich sehr gut mit den professionellen Produkten dieser Gattung messen kann.

An Werkzeug braucht man nicht viel: Schraubstock, Hammer, Zange, Metallsäge, Feile, Bohrmaschine, 5 und 6mm Bohrer, M6-Gewindebohrer, Senker, 4 und 5mm Imbusschlüssel und 10mm Schraubenschlüssel. Das meiste sollte eigentlich in jedem vernünftigen Haushalt (oder Papi's Hobbykeller) zu haben sein. Wenn nicht, dann ab in einen Werkzeugladen (besser und meist billiger als der Baumarkt). Bis auf den Schraubstock und die Bohrmaschine kostet das Zeug auch nicht viel.

Aufgrung der regen Nachfrage noch eine ganze Latte Bilder.


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Handhacked by Franz Parzefall 27.03.2005