Schneebrettfahren, Lawinensurfen etc.
Zum Thema Lawinen gibt's eine ganze Menge zu lesen von Leuten die da
mehr wissen als ich, deshalb hier ein persönliches Erlebnis an dem
man sieht, wie dicht man manchmal dran ist.
Am 21. April 2002 war ich mit meinem Kollegen Markus im Lüsensertal. Wir
wollten auf die Schöntalspitze. Die Schneelage war eigentlich schon recht
mäßig, aber am Tag zuvor hatte es nochmal gut 20cm Pulver gegeben.
Das Wetter war recht neblig und der Lawinenlagebericht hatte Warnstufe 2 ausgegeben.
Im Austieg holten wir 4 Münchner ein, mit denen wir dann gemeinsam aufstiegen,
da wir nun spurten und nicht mehr ganz so schnell waren. Die Sonne hatte
dem Schnee trotz des nachwievor recht dichten Nebels innerhalb einer halben
Stunde einen gehörigen Stich verpasst und es lösten sich
aus den Felsen immer wieder kleine Rutscher, von denen einer direkt
vor mir die Spur 30cm hoch verschüttete. Ich hatte die ganze
Zeit schon ein ziemlich beschissenes Gefühl, aber vom Gelände
her war's nicht so wirklich wild.
Den Gipfelhang erwischten wir dann aber wegen des Nebels nicht, sondern den Hang
links daneben, Was wir allerdings erst merken als wir schon ein gutes Stück
droben waren und es aufriß. Unser Hang wurde nach oben immer steiler
(geschätzt: ca. 38°). Da klar war, dass es auch noch kammnahes Gelände
war, entschieden wir uns hier aufzuhören und auf die paar Meter zu verzichten.
Auf einer flacheren Stelle oberhalb eines Felsens bauten wir um. Die Münchner
entschieden sich weiter zu gehen. Während ich noch meine Klappschi auf den
Rucksack packte, fuhr Markus schon ein paar Meter ab um dann Fotos von mir zu
machen. Auf dem folgenden Bild seht ihr als untersten mich und drüber
die 4 Münchner.
Der Erste von ihnen querte dann knapp unter den Felsen nach rechts aufwärts.
In dem Moment wo ich gerade meine Bindung zumachte hörte ich von oben einen
Ruf und da kam er mit dem ganzen Mist runter und ist gut 10m an mir vorbei.
Markus schaffte es nicht mehr ganz wegzukommen und wurde so 20-30m mitgerissen.
Der Auslösende fuhr mit der Lawine ungefähr 150m ab und wurde
kurz vor dem Stillstand leicht verschüttet. Er konnte aber mit einem
Arm noch herauslangen und sich so wenigstens ein Luftloch schaffen.
Nachdem ich sicher war, dass nichts mehr nachkommen würde, fuhr ich zu
ihm ab, an Markus vorbei, der mit dem Fotoapparat in der Hand oben auf dem Lawinenkegel
saß und begann sofort mit dem Ausgraben. Der Kopf war gleich raus, aber bis
wir ihn ganz ausgebuddelt hatten war ihm schon gut kalt. Sonst war ihm aber nichts
passiert.
Der Anriss war gut 50m breit und so ca. 30cm mächtig. Eigentlich
nicht besonders viel, aber wenn's dann auf einem Haufen liegt ist's halt doch
fast 2m hoch.
Zu allem Überfluss hatte noch jemand von einem anderen Berg aus die Bergrettung
alarmiert und wir mussten den Hubi mit Handzeichen wieder wegschicken. Telefonieren
ging nicht. Am Parkplatz liefen wir dann ein paar Gendarmeriebergführern in Zivil
in die Finger, die uns fragten, ob wir was von der Lawine wüssten. Nachdem wir
die Geschichte erzählt hatten, wollten sie ein Protokoll aufnehmen. Die Jungs
waren zwar recht nett, aber wir sind dann halt doch noch gut eine Stunde auf der
Wache gewesen.
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Franz Parzefall. Letzte Änderung: 20. Dezember 2002